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Wenn die Lippe kribbelt
Lippenherpes ist eine Virusinfektion, die durch das Herpes-simplex-Virus (HSV) verursacht wird. In Deutschland leiden rund 10 Millionen Menschen unter regelmäßigem Lippenherpes. Auch wenn die Erkrankung meist harmlos ist, empfinden Betroffene sie als sehr belastend.
Kurz zusammengefasst:
- Beginnen Sie die Behandlung möglichst früh – idealerweise schon beim ersten Kribbeln. In Kombination mit guter Vorbeugung lässt sich der Schweregrad eines Schubs deutlich reduzieren.
- Das Virus verbleibt lebenslang im Nervensystem. Nur bei etwa 15 % der Infizierten kommt es zu wiederkehrenden Ausbrüchen.
Was ist Herpes simplex?
Herpes simplex ist eine Virusinfektion durch Herpes-simplex-Viren (HSV). Man unterscheidet zwei Typen:
HSV-1 verursacht überwiegend Lippenherpes
HSV-2 tritt meist im Genitalbereich auf
Verlauf von Lippenherpes
Lippenherpes verläuft schubweise. Aktive, ansteckende Phasen wechseln sich mit symptomfreien Zeiten ab, in denen das Virus im Körper ruht. Viele Betroffene spüren einen Schub bereits durch ein typisches Kribbeln.
Ein akuter Schub verläuft meist in sechs Phasen:
Frühphase: Schmerzen, Kribbeln, Brennen, Spannungsgefühl
Rötungsphase: schmerzhafte Hautveränderungen
Bläschenphase: flüssigkeitsgefüllte, hochinfektiöse Bläschen
Wundphase: nässende, schmerzhafte Stellen
Verkrustung: juckende Krustenbildung und Schorf
Abheilung: Heilung ohne Narben
Ursachen und Ansteckung
Die meisten Menschen infizieren sich bereits im Kindesalter über Tröpfchen- oder Schmierinfektion, meist ohne Symptome. Das Virus verbleibt lebenslang im Nervensystem. Nur bei etwa 15 % der Infizierten kommt es zu wiederkehrenden Ausbrüchen.
Typische Auslöser sind:
- UV-Strahlung
- kleine Verletzungen oder Verbrennungen an den Lippen
- geschwächtes Immunsystem
- hormonelle Schwankungen
- Stress, Ekel oder psychische Belastung
Verhalten bei einem akuten Schub
- Bläschen nicht berühren oder Hände gründlich waschen
- Kontakt mit Augen und Nase vermeiden
- Küssen und engen Lippenkontakt unterlassen
- Keine gemeinsamen Handtücher, Gläser oder Zahnbürsten benutzen
- Frühzeitig mit einer geeigneten Behandlung beginnen
Vorbeugung
- Lippen vor Sonne schützen (hoher Lichtschutzfaktor)
- Immunsystem stärken (Schlaf, gesunde Lebensweise)
- Stress reduzieren
- Persönliche Auslöser erkennen und meiden
- Unnötige Hautreizungen (z. B. Laserbehandlungen) vermeiden
Wissenswertes zur Zitronenmelisse
Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist eine bewährte Arzneipflanze mit antiviralem Potenzial. Ihre ätherischen Öle wirken beruhigend und werden medizinisch bei Herpes-Infektionen eingesetzt.
Behandlungsmöglichkeiten
Synthetische Wirkstoffe
Aciclovir oder Penciclovir hemmen die Virusvermehrung, wirken jedoch meist erst nach Ausbruch und können Resistenzen verursachen. Zudem sind sie nur bedingt für Kinder und Schwangere geeignet.
Docosanol als weiterer Vertreter synthetischer Wirkstoffe beeinflusst das Herpes-Virus selbst nicht, wodurch das Ansteckungsrisiko bestehen bleibt. Der genaue Wirkmechanismus konnte bisher nicht geklärt werden.
Pflanzliche Wirkstoffe
Hochkonzentriertes Melissenextrakt wird seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Studien zeigen eine wirksame Linderung der Symptome. Der Wirkstoff ist gut verträglich, verursacht keine Resistenzen und eignet sich für Kinder ab 3 Jahren, Schwangere, Stillende und ältere Menschen.
Kosmetika und Hausmittel
Pflaster haben vor allem kosmetische Effekte; ein gesicherter Nutzen ist nicht belegt. Außerdem stehen elektronische Lippenstifte zur Verfügung, welche entweder einen schwachen Strom (senkt Haut-pH-Wert und verhindert eine Ausbreitung) oder eine spezielle Temperatur (Absterben der Viren) erzeugen. Die Wirkung dieser Produkte ist, aufgrund fehlender Studienlage, nicht belegt. Hausmittel wie Zahnpasta, Honig oder Hitze können die Haut eher schädigen und die Heilung verzögern.
Quelle: https://www.paedia.de/