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Kein Grund zum schämen

Bettnässen ist bei Kindern weit verbreitet. Zwischen dem fünften und zwölften Lebensjahr nässen bis zu 15 % der Kinder nachts ein. Damit zählt Bettnässen nach Allergien zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Trotzdem wird kaum darüber gesprochen, da das Thema oft mit Scham behaftet ist. 
Ein Kind liegt auf einem Bett, umgeben von einer nassen Stelle auf der Decke.
Kurz zusammengefasst:
- Bettnässen ist noch immer ein Tabuthema
- Bei vielen Kindern gehört es zur normalen Entwicklung, auch über das Kindergartenalter hinaus
- Besteht Bettnässen bei beiden Elternteilen, liegt das Risiko für das Kind bei über 70 %
- Seelische Belastungen sind seltene Ursachen, können aber nach längeren trockenen Phasen eine Rolle spielen
- Das Trinkverhalten beeinflusst das Einnässen maßgeblich
- Medikamente können den Wasserhaushalt regulieren und rasch helfen
Was versteht man unter Einnässen?
Einnässen beruht auf einer verzögerten Entwicklung des Blasensystems oder auf Funktionsstörungen. Tritt es nachts auf, spricht man von Bettnässen, am Tag von Inkontinenz.
 
Die Bedeutung des Alters
Bei jüngeren Kindern sind Blase, Muskeln und Nerven oft noch nicht vollständig ausgereift. Sie nehmen den Harndrang nicht rechtzeitig wahr oder können die Blase noch nicht ausreichend kontrollieren. Diese Entwicklung verläuft individuell – manche Kinder benötigen einfach mehr Zeit. Verständnis und Geduld sind hier besonders wichtig.
 
Verschiedene Formen des Einnässens
Ab dem fünften Lebensjahr gilt Einnässen als medizinisch relevant. Nässt ein Kind über mindestens drei Monate hinweg an mindestens zwei Nächten pro Monat ein, spricht man von einer Enuresis nocturna.
Nach längeren trockenen Phasen kann erneutes Bettnässen auftreten, oft ausgelöst durch belastende Ereignisse wie Umzüge oder familiäre Veränderungen. 
Häufiger ist jedoch das durchgängige Einnässen (primäre Enuresis), das meist körperliche Ursachen hat. Einnässen während des Tages wird als Harninkontinenz bezeichnet.
Jungen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen.
 
Wie häufig ist Einnässen?
Einnässen gehört zu den häufigsten Störungen im Kindesalter. Nachts nässen etwa 25 % der Vierjährigen, 10 % der Siebenjährigen, 1–2 % der Jugendlichen und rund 1 % der Erwachsenen ein.
In diesem Ratgeber geht es um die mit Abstand häufigste Form des Einnässens: das nächtliche Bettnässen, das über längere Zeit ohne nennenswerte trockene Phasen auftritt.
 
„Ich bleibe lieber zuhause“
Bettnässen bedeutet für die ganze Familie eine große Belastung, besonders jedoch für die betroffenen Kinder. Viele meiden Übernachtungen bei Freunden, haben Angst vor Klassenfahrten oder fühlen sich beschämt und frustriert wegen ihres nassen Bettes.
 
Welche Ursachen gibt es für Bettnässen?
Bettnässen hat meist mehrere Ursachen, die einzeln oder kombiniert auftreten können. Zu den wichtigsten zählen:
Sehr tiefer Schlaf: Manche Kinder schlafen so fest, dass sie den Harndrang nachts nicht wahrnehmen und nicht aufwachen.
Erhöhte Urinproduktion in der Nacht: Normalerweise sorgt das antidiuretische Hormon (ADH) dafür, dass nachts weniger Urin gebildet wird. Bei bettnässenden Kindern wird oft zu wenig ADH produziert, sodass sich die Blase nachts überfüllt. In Verbindung mit tiefem Schlaf kommt es dann zum Einnässen.
Kleine Blasenkapazität: Ist die Blase zu klein, kann sie den nachts gebildeten Urin nicht vollständig speichern und läuft über.
 
Wie können Sie Ihr Kind unterstützen?
Kein Kind nässt absichtlich ein Bett. Schuldzuweisungen oder Strafen sind daher unbedingt zu vermeiden. Wichtig ist, das Kind zu beruhigen und ihm Sicherheit zu geben. Übermäßige Belohnungen für trockene Nächte sind ebenfalls nicht sinnvoll – gemeinsame Freude über Fortschritte genügt.
Bei jüngeren Kindern ist Geduld gefragt. Eine positive, entspannte Haltung ist hilfreicher als Druck. Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind, auch wenn Außenstehende wenig Verständnis zeigen.
 
Richtig trinken – zur richtigen Zeit
Dem Kind weniger zu trinken zu geben oder es nachts regelmäßig zu wecken, ist nicht sinnvoll. Achten Sie stattdessen auf den Tagesrhythmus: Die Haupttrinkmenge sollte bis zum späten Nachmittag erfolgen, vor dem Schlafengehen sollte das Kind noch einmal zur Toilette gehen. Getränke in den letzten zwei Stunden vor dem Zubettgehen belasten die Blase unnötig.
Gute Trinkgewohnheiten unterstützen Ihr Kind: Getränke in den zwei Stunden vor dem Schlafengehen belasten die Blase in der Nacht. Achten Sie daher darauf, dass Ihr Kind den Großteil der täglichen Trinkmenge bis zum späten Nachmittag zu sich nimmt.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Besteht das Einnässen über den fünften Geburtstag hinaus, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Erste Anlaufstelle ist der Kinderarzt. Er prüft unter anderem, ob zusätzliches Einnässen am Tag, Harnwegsinfekte oder Auffälligkeiten beim Wasserlassen vorliegen.
Sofort zum Arzt bei:
Schmerzen über der Blase
Blut im Urin
Brennen beim Wasserlassen
Schwachem Harnstrahl
Häufigem Wasserlassen
Schmerzen im Nierenbereich oder unklaren Bauchschmerzen
 
Welche Untersuchungen sind nötig?
In der Regel reichen eine körperliche Untersuchung, Ultraschall und Urinuntersuchung aus. Ergänzend helfen Trink- und Miktionsprotokolle, in denen Mengen und Zeiten über einen Tag dokumentiert werden.
 
Wie wird nächtliches Einnässen behandelt?
Je nach Leidensdruck kommen Blasentraining (Urotherapie), Alarmtherapie oder Medikamente infrage.
Blasentraining:
Diese Therapie eignet sich vor allem für Schulkinder. Ziel ist es, die Blasenfunktion und Körperwahrnehmung zu verbessern. Das Kind lernt unter anderem richtiges Trinkverhalten, Toilettenzeiten und gezieltes Anhalten des Urins. Die Behandlung dauert meist drei bis sechs Monate und erfordert Geduld und Motivation.
Alarmtherapie:
Sensoren in Matten oder speziellen Höschen lösen bei Nässe ein Signal aus, welches das Kind wecken soll. Ziel ist es, den Harndrang rechtzeitig wahrzunehmen. Die Therapie dauert meist 12–16 Wochen, anfangs ist oft Unterstützung durch die Eltern nötig.
Medikamente:
Desmopressin ähnelt und ergänzt das mangelnde körpereigene antidiuretische Hormon (ADH) und reduziert die nächtliche Urinbildung. Es wird abends vor dem Schlafengehen eingenommen und wirkt etwa acht Stunden. Die Einnahme erfolgt über mehrere Wochen und wird schrittweise reduziert. Über Dauer und Dosierung entscheidet der Arzt. Bei Bedarf können Therapien auch kombiniert werden.

Quelle: https://www.paedia.de/
www.infectopharm.de